Atlas wirft die
Welt ab / Wer ist John Galt?
Ayn Rand, 1957
Originaltitel:
Atlas Shrugged
Referentin: Miruna
Toma
Seminar:
Utopisches Denken, WS 11/12
Atlas
Atlas und sein Bruder Menoitios sahen sich nach dem Titanenkampf gegen die Olympier auf der Seite der Verlierer und wurden für ihre
Loyalität zu Kronos von Zeus bestraft. Anders als
die meisten anderen Titanen wurde Atlas aber nicht in den Tartaros verbannt,
sondern erhielt die beschwerliche Aufgabe, an Gaias (Personifizierung der Erde)
westlichem Rand zu stehen und dort den Uranos (Personifizierung des Himmels) zu
stemmen, um so zu verhindern, dass jene beide ihre urweltliche Umklammerung
wieder aufnähmen. So wurde Atlas zum Atlas Telamon (= verankerter Atlas)
und erhielt mit Koios, der die Weltachse, um die sich der Himmel dreht, personifiziert, ein
Gegenstück.

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John Singer Sargent, Atlas and the Hesperides, 1925
Farnese Atlas - Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Naples, Italy
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Lee Lawrie, Atlas Sculpture, New York,
Rokefeller Center, 1937
Bei der Umfrage der Kongressbibliothek, im Jahr 1991 nach dem einflußreichsten Buch kam das Roman: Atlas Shrugged von
Ayn Rand, aus dem Jahr 1957, auf dem zweiten Platz, nach der Bibel.
Atlas
Shrugged ist die Geschichte eines Streiks der Leistungsträger. Das Buch
ruft sie auf, sich nicht alles gefallen zu lassen, sondern stolz auf sich und ihre
Errungenschaften zu sein, ihren Verstand und ihre Kreativität zu feiern, egal,
was die Gesellschaft dazu sagt. Es erzählt von dem Recht auf Eigennutz und
Individualität, vom Übel des gesellschaftlichen Zwangs, ohne Gegenleistung für
andere zu arbeiten, aber auch von der Pflicht ehrlich und aufrichtig zu handeln. Es steht als praktischer Beispiel von Ayn Rands objektivistische Philosophie.
Der EInfluss dieses Romans ist bis zum heutigen Tag noch aktuell. Im Januar 2009
schrieb das „Wall Street
Journal“: Atlas Shrugged: From Fiction to Fact in 52 Years
Das Buch
Der Roman spielt in den Vereinigten Staaten der 1960er
Jahre, setzt sich jedoch durch politische Entwicklungen und Fiktion-Elemente von der Realität ab. Die Welt besteht aus
sozialistischen Volksrepubliken die anfangen zu Grunde zu gehen. In
der USA gibt es noch einen Rest von Marktwirtschaft, aber auch hier wird der
politische Druck immer größer, die letzten „unsozialen“ Firmen zu
verstaatlichen. Leistungswille ist verspottet und unterdrückt, Ehrgeiz wird zur gesellschaftlichen
Sünde, demonstrative Betroffenheit ist die höchste Tugend.
Zu den wenigen
Leuten, die sich dagegen wehren, gehört die Protagonistin Dagny Taggart, Vizepräsidentin der Eisenbahngesellschaft Taggart Transcontinental. Sie und der Industrielle Henry „Hank“
Rearden, Gründer und Präsident von Rearden Steel, versuchen irgendwie, ihre
Konzerne am Leben zu erhalten. Ihr Motto lautet:
“I’m
not interested in helping anybody. I want to make money.”
Die Situation verschlechtert sich wenn plötzlich die besten und produktivsten Leute
aus der INdustrie kündigen oder einfach verschwinden.Industriemagnate übergeben ihre Firmen auf einmal
klaglos an den bislang so verhassten Staat. Die wenigen verbleibenden fähigen Leute haben
kein Interesse mehr an einer Beförderung und weigern sich mehr zu machen als die einfachsten unqualifizierten Jobs.
Unternehmer, Musiker, Wissenschaftler oder gewissenhafte
Handwerker, alle steigen aus. Wieso das so ist, weiß keiner, denn die Antwort auf jede Frage heißt: "Wer ist John Galt?". Irritiert von diesem Unwissen machen sich Taggart und Rearden auf dem Weg, das Geheimniss zu lösen und John Galt, "den Zerstörer", zu finden.
Wen sie aber finden, ist nich der Zerstörer sonder der Erlöser. Galt ist ein
Ingenieur, der Erfinder eines revolutionären Antriebs, der keine Lust mehr
hatte, sich vom Kollektiv ausbeuten zu lassen.
Als in seiner
Fabrik den berühmten Spruch:
“From each according to his abilities, to each according to his
needs “
ausgerufen
wird, schmeißt er sein Werkzeug hin, lässt seinen Motor nutzlos zurück und
kündigt an, den „Motor der Welt“ anhalten zu wollten.
Sein Motto
lautet:
“I
swear — by my life and my love of it — that I will never live for the sake of
another man, nor ask another man to live for mine.”
Zusammen mit seinen zwei besten Freunde Francisco d'Anconia und Ragnar Danneskjöld, zieht
er durch das Land und überzeugt die prime
movers davon, sich ihren Beispiel anzuschließen, bis die Gesellschaft
zusammengebrochen ist und sie es neu aufgebauen können.
Atlantis
rocky_mountain_tours.jpg, austinlehman.com
Die Stadt
befindet sich irgendwo in den Rocky Mountains. Dagny erreicht sie, indem sie
Galt in einem kleinen Flugzeug verfolgt. Die Stadt ist von einem Magnetfeld
geschützt uns somit unsichtbar.
Es sind
meißtens Männer, die in dem Tal wohnen.
Atlantis scheint erstmal das
größte Opfer, das ein Mann machen könnte, zu sein. Seine Bewohner sind die Reichen
und die Produktiven der Erde, die jetzt mit den grundlegenenden Werkzeugen und
Ressourcen des Tales als Landwirte, Lebensmittel-Shop-Besitzer, Installateur
oder Cafeteria-Mitarbeiter arbeiten. Wyatt behauptet aber, dass seine Arbeit hier mehr
Wert ist als in der realen Welt. Reichtum sieht er als Mittel zur
Erweiterung des Lebens – es gibt zwei Möglichkeiten, das eigene Leben zu
erweitern: mehr zu produzieren oder schneller zu produzieren.
Wyatt macht seine Arbeit
schneller und verkürzt seine Fertigungszeit. In Atlantis ist die höhere Effizienz wert,
denn die Männer, die
er bedient , erweisen ihm wiederum Vorteile, indem sie selbst effizienter
werden. Darüber hinaus hat er alles was er braucht. Nichts wird verschwendet. Es ist
eine gemeinsame Anstrengung.
Ein Mensch ist nicht eingestelt, weil sein Vorgesetzter weiß, dass der Mann
nicht in der Lage sei ihn profesionell herauszufordern, sondern genau dieses
Potenzial wird in jedem Arbeiter gesucht. Darüber hinaus konkurrieren
alle Unternehmen um die anderen auszuschließen - aber nicht mit Hilfe von Gesetzen
oder politische Gefallen, sondern mit ehrlicher produktiver Arbeit. In Atlantis wird mit Erfolge gehandelt und nicht mit Scheitern.
In Atlantis herrscht der ideale Kapitalismus - Kapitalismus ohne Korruption und
Inkompetenz, ein freies Markt unter dem Zeichen des Dollars.
Ayn Rand Interview